Bayerischer Gebirgsschweisshund –
FCI Standard Nr. 217


Bayerischer Gebirgsschweisshund - Quelle: http://www.kbgs.de/ Foto © Thomas Wengert »Klub für Bayerische Gebirgsschweißhunde«

Ursprung

Deutschland.


Verwendung

Schweisshund.


Klassifikation

Klassifikation FCI
Gruppe 6 Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen.
Sektion 2 Schweisshunde. Mit Arbeitsprüfung.


Kurzer geschichtlicher Abriß

Alle Leit- und Schweißhunde stammen von den Urjagdhunden, den Bracken ab. Alle reinen Bracken haben feinste Nase auf Spur und Fährte, größte Fährtensicherheit, sehr ausgeprägten Fährtenwillen und lockeren Fährtenlaut beim Jagen. Ursprünglich nahm man die verlässlichsten und sichersten Bracken aus der Meute und suchte mit ihnen am Riemen die verlorene Fährte des gejagten Wildes. Aus diesen ruhigsten und führigsten Bracken wurden später die Leithunde (nur auf natürlicher kalter Gesundfährte gearbeitet) und die Schweißhunde (auf der Wundfährte geführt, sogen. »verdorbene Leithunde«) herausgezüchtet. Durch Einkreuzung genetisch relativ nahestehender Rassen Ende des 18. / Anfangs 19. Jahrhunderts entstand der heutige Hannoversche Schweißhund. Nach der Revolution von 1848, also nach der Zerschlagung der Großreviere und der Ablösung der ehemaligen Jagdmethoden durch Pirsch- und Ansitzjagd bei gleichzeitig verbesserten Schusswaffen wurde der Hund »nach dem Schuss« gebraucht. Spezialisiert auf sichere Riemenarbeit konnte man auf laute Hatz, Durchhaltewillen und Schärfe besonders in den Bergrevieren nicht verzichten. Dort erwies sich der Hannoversche Schweißhund als zu schwer. Um diese gewünschten Leistungen auch im schwierigen Berggelände zu erreichen, züchtete Baron Karg-Bebenburg, Reichenhall, nach 1870 den rassigen und veredelten, leichteren Gebirgsschweißhund, indem er Hannoversche Schweißhund mit roten Gebirgsbracken kreuzte. Zunehmend verdrängten diese Hunde andere Rassen aus den Bergrevieren, so dass der Bayerische Gebirgsschweißhund heute der klassische Begleiter der Berufsjäger und Förster geworden ist. 1912 wurde der »Klub für Bayerische Gebirgsschweißhunde« mit Sitz in München gegründet. Er ist der einzige anerkannte Zuchtverein für Bayerische Gebirgsschweißhunde in Deutschland.


Allgemeines Erscheinungsbild

Ein insgesamt harmonischer, leichterer, sehr beweglicher und muskulöser, mittelgroßer Hund. Der Körper ist etwas länger als hoch, hinten etwas überhöht; steht auf nicht zu hohen Läufen. Der Kopf wird waagerecht oder etwas aufgerichtet, die Rute waagerecht oder schräg abwärts getragen.


Verhalten / Charakter (Wesen)

Ruhig und ausgeglichen; anhänglich gegenüber seinem Besitzer, zurückhaltend gegenüber Fremden. Gefordert wird ein in sich gefestigter, selbstsicherer, unerschrockener und leichtführiger Hund, der weder scheu noch aggressiv ist.


Kopf

Oberkopf
Schädel verhältnismäßig breit, flach gewölbt, Stirn deutlich abgesetzt, Augenbrauenbögen gut entwickelt, Hinterhauptsbein wenig ausgeprägt.
Stop Ausgeprägt.
Gesichtsschädel
Nasenschwamm Von guter Größe, nicht zu breit, Nasenlöcher gut geöffnet. Schwarz oder dunkelrot.
Fang Von den Augen etwas abgesetzt, etwas kürzer als der Schädel, genügend breit, nicht spitz. Nasenrücken leicht gewölbt oder gerade.
Lefzen Gut überfallend, von mittlerer Dicke. Lefzenwinkel gut sichtbar.
Kiefer / Zähne Kräftige Kiefer mit einem perfekten, regelmäßigen und vollständigen Scherengebiss, wobei die obere Schneidezahnreihe ohne Zwischenraum über die untere greift und die Zähne senkrecht im Kiefer stehen. Mit 42 gesunden Zähnen gemäß der Zahnformel. Zangengebiss zulässig.
Backen Nur mäßig betont.
Augen Klar, aufmerksamer Ausdruck. Nicht zu groß und zu rund. Dunkelbraun oder etwas heller. Gut anliegende, pigmentierte Lider.
Behang Etwas über mittellang, aber höchstens bis zur Nase reichend, schwer, hoch und breit angesetzt, unten abgerundet, ohne Drehung anliegend herabhängend.


Hals

Mittellang und kräftig. Etwas losere Kehlhaut.


Körper

Obere Profillinie Vom Widerrist zur Hinterhand leicht ansteigend.
Widerrist Wenig ausgeprägt. Fließender Übergang vom Hals zum Rücken.
Rücken Kräftig und elastisch.
Lenden Verhältnismäßig kurz, breit, sehr gut bemuskelt.
Kruppe Lang und ziemlich flach verlaufend.
Brust Mäßig breit, gut ausgebildete Vorbrust; ovaler Rippenkorb, tief und lang mit weit nach hinten reichenden Rippen.
Untere Profillinie und Bauch Allmählich nach hinten ansteigend; Bauch leicht aufgezogen.


Rute

Mittellang, höchstens bis zu den Sprunggelenken reichend; hoch angesetzt; waagerecht oder leicht schräg abwärts getragen.


Gliedmaßen

Vorderhand: Die Läufe, von vorne betrachtet, gerade und parallel, von der Seite betrachtet gut unter dem Körper stehend. Gute Winkelungen.

Vorderhand
Schultern Gut schräg und nach hinten liegendes Schulterblatt, kräftig bemuskelt.
Oberarm Lang, gut und trocken bemuskelt.
Ellenbogen Am Körper anliegend, weder einwärts noch auswärts gedreht.
Unterarm Trocken und senkrecht stehend. Kräftige Knochen, sehr gut bemuskelt.
Vorderfußwurzelgelenk Kräftig.
Vordermittelfuß Gering nach vorne gerichtet.
Vorderpfoten Löffelförmig, mit gut gewölbten und eng aneinander liegenden Zehen sowie genügen gepolsterten, derben, widerstandsfähigen und gut pigmentierten Ballen. Sie fußen parallel, im Stand und in der Bewegung weder einwärts noch auswärts gerichtet. Krallen schwarz oder hornfarbig.

Hinterhand
Allgemeines Kräftige Knochen. Von hinten betrachtet gerade und parallel. Gute Winkelungen.
Oberschenkel Breit und sehr muskulös.
Knie Kräftig.
Unterschenkel Verhältnismäßig lang, muskulös und sehnig.
Sprunggelenk Kräftig.
Hintermittelfuß Kurz, senkrecht stehend.
Hinterpfoten Löffelförmig, mit gut gewölbten und eng aneinander liegenden Zehen sowie genügend gepolsterten, derben, widerstandsfähigen und gut pigmentierten Ballen. Sie fußen parallel, im Stand und in der Bewegung weder einwärts noch auswärts gerichtet. Krallen schwarz oder hornfarbig.


Gangwerk

Raumgreifend, guter Vortritt und guter Schub, in Vorderhand und Hinterhand gerade und parallel, leicht federnd.


Haut

Kräftig, straff anliegend.

Haarkleid

Haar: Dicht, glatt anliegend, mäßig rau, mit wenig Glanz; feiner an Kopf und Behang, rauer und länger an Bauch, Läufen und Rute.

Farbe: Tiefrot, hirschrot, rotbraun, rotgelb, auch fahlgelb bis semmelfarben; rotgrau, wie das Winterhaar des Rotwildes, auch geflammt oder dunkel gestichelt. Auf dem Rücken ist die Grundfarbe meist intensiver. Fang und Behang dunkel. Rute meistens dunkel gestichelt. Kleiner, heller Brustfleck (Brackenstern) ist zulässig.


Größe

Widerristhöhe
Rüden 47 – 52 cm.
Hündinnen 44 – 48 cm.
Toleranz Für Rüden und Hündinnen keine Toleranz nach oben und unten.


Fehler

Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.


Schwere Fehler

  • Fleischfarbene Nase.
  • Geringer Vor- oder Rückbiss, partielle Zange.
  • Sehr lose Augenlider.
  • Starker Senk- oder Karpfenrücken.
  • Sehr flacher oder tonnenförmiger Brustkorb.
  • Stark aus- oder einwärts gedrehte Ellenbogen.
  • Stark überbaute Hinterhand.
  • Sehr enghessige oder kuhhessige oder O-beinige Stellung der Hinterläufe, sowohl im Stand wie auch in der Bewegung.
  • Zu feine oder zu dünne Behaarung.
  • Starke Farbabweichungen; schwarze Färbung mit roten Abzeichen.
  • Abweichende Größe.

Ausschließende Fehler

  • Aggressiv oder ängstlich.
  • Deutlicher Vor- oder Rückbiss, Kreuzbiss.
  • Fehlende Zähne (außer PM1).
  • Ektropium, Entropium.
  • Angeborene Knickrute.
  • Wesensschwäche.

Hunde, die deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen disqualifiziert werden.


Anmerkung

Rüden sollten zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.


Quelle: vdh.de/media/lexikon/36/bayerischer_gebirgsschweisshund.pdf (31.03.2008)

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